Warum die Digitale Transformation scheitert

…und die Industrie 4.0 in der Sackgasse steckt !

Angetreten mit dem Ziel Industrie und Wirtschaft ‚fit für die Zukunft‘ zu machen, sind heutzutage viele Unternehmen bereit, ihre Struktur zu ändern und Informationstechnologie einzusetzen. Umsatz- und Gewinnsteigerung stehen im Vordergrund, manchmal auch der Kampf um Marktanteile.

Auf der anderen Seite stehen die Mitarbeiter, die eine gerechte Entlohnung fordern und einen gesicherten Arbeitsplatz wünschen.

Die erste Hürde beginnt jedoch schon mit der Struktur eines Unternehmens. Getrieben von den sozialen Medien und den damit verbundenen kurzen Informations- und Reaktionswegen sollte heutzutage eine flache Hierarchie Standard sein. Ebenso müssen die einzelnen Mitarbeiter mehr Verantwortung tragen und im Sinne des Unternehmenszieles agieren.

Hierbei halten jedoch die Meisten in den Führungsebenen an den überholten Strukturen und Informationswegen fest – zeugen Sie doch von einem Statusdenken und sind Beweis für Leistung und Wohlstand. Manchmal täuschen die Führungspositionen über Inkompetenz und fehlende Leistungsbereitschaft hinweg.

Vorgelebt wird es in Großunternehmen von Vorständen, die einen kurzfristigen Erfolg erzielen wollen oder (wie momentan die Autoindustrie) strafbare Handlungen unterstützen. Der kurzfristige Erfolg führt anhand der vertragsmäßig feststehenden Gehälter und Boni zur Zahlung von Beträgen in Millionenhöhe. Eines Tages wird sogar der Flughafen Berlin fertig gestellt worden sein… die Verantwortlichen in den Führungsebenen werden meist nicht in Regreß genommen –  auf Kosten der verbleibenden Mitarbeiter oder der öffentlichen Hand.

Im Mittelstand, kleinen und mittleren Unternehmen hingegen verhält es sich meist anders.

Der Vater erstellt’s, der Sohn erhält’s, beim Enkel zerfällt’s

Angetreten aus dem eigenen Idealismus oder mit einer bahnbrechenden Geschäftsidee begannen die Gründer ihr Unternehmen zu formen, zu strukturieren und auszubauen. Eine Verbundenheit sorgte für mehr Verantwortungsbewußtsein, gegenüber der Familie oder den Mitarbeitern, schließlich sollte das Unternehmen möglichst lange existieren. Aus diesem Grundgedanken heraus wurde auch das Kind des Gründers (mest der Sohn) heraus erzogen und übernahm später die Leitung. Auch hier half weitsichtiges Denken und Veränderungen, um den wechselnden Anforderungen gerecht zu werden. Der Enkel wiederum, in Wohlstand groß geworden und erzogen, dazu meist beratungsresistent, interessiert sich kaum für das Unternehmertum und dementsprechend entwickelt sich das Unternehmen nicht weiter und wird den Anforderungen nicht mehr gerecht.

Die modernen globalen Herausforderungen erfordern eben Manager, die weiterdenken, die über den Tellerrand hinausschauen, die nachdenken. Und als Ziel dieser Bemühungen eben nicht nur rationalisieren, sondern gänzlich vernetzt denken und dies auch von ihren Mitarbeitern fordern. Das innerbetriebliche Verbesserungswesen basiert auf Vorschlägen von Mitarbeitern, die ihre Arbeit am besten kennen.

Die digitale Transformation beinhaltet eben mehr als nur den Einsatz von EDV oder IT. So wie die Digitalisierung voran schreitet, potenzieren sich die Einsatzmöglichkeiten. WhatsApp als Messenger-Dienst im privaten Bereich hat sich durchgesetzt. Aber als Kommunikationsmedium innerhalb eines Unternehmens ?

Undenkbar, wenn jeder dem ‚obersten Boss‘ etwas schreiben könnte!

Wenn Mißstände auf direktem Weg gemeldet werden! Wenn der Vertrieb sofort erfährt, dass es Engpässe bei der Auslieferung gibt!

Dies ist nur ein Beispiel für eine ‚moderne‘ Anwendung, aber die Auswirkungen sind offensichtlich. Der ‚Flurfunk‘ ist abgeschafft – jeder kann mit jedem reden! Und jeder bewußt denkende Mitarbeiter weiß doch, für welchen Mitarbeiter oder welche Abteilung welche Informationen wichtig sind.

Der Weg führt also hin zum mitdenkenden Mitarbeiter, der autonom und verantwortlich arbeitet und im Sinne des Unternehmens handelt. Dies setzt eine flache Hierarchie voraus und ein Miteinander, das nicht nur auf Betriebsfeiern gepflegt wird.

Dann erkennt man, dass die Informationstechnologie ein Hilfsmittel ist. Welche Hilfsmittel gewählt werden, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. SAP® bietet für Unternehmen ein komplettes System an, das die Prozesse eines Unternehmens bis in den letzten Winkel hinein abbildet. Prima, denkt man im ersten Moment, das hilft ungemein. Aber wo liegt der Haken?

SAP als Unternehmenssoftware wird von vielen deutschen Automobilherstellern eingesetzt. Jeder Tastendruck wird im SAP-System aufgezeichnet. Es ist also zu verfolgen, welcher Mitarbeiter Software programmiert und dies einsetzt…..

Da die Firma SAP kein gemeinnütziges Unternehmen ist, verfolgt Sie natürlich ein gewerbsmäßiges Ziel. Ein Drittel des Jahresumsatzes wird durch Schulungen erzielt (über 6 Milliarden Euro). Dies bedeutet, dass die Mitarbeiter an das System angepasst werden (nachdem ein teures Heer von SAP-Beratern die Software an das Unternehmen angepasst hat). Ist dies die Zukunft von IT?

Trat die Informationstechnologie nicht mit dem Anspruch an, die Arbeitswelt der Menschen zu erleichtern ?

Das Gegenteil ist heute meist der Fall. Kommt eine neue Software oder gar nur eine neue Version der gleichen Software heraus, so ist eine neue Schulung vonnöten! Sicherlich ein einträgliches Geschäft für die Softwareunternehmen und deren Schulungspartnern.

Wer bleibt auf der Strecke ? Ist es die Generation Z oder die Digital Natives, die momentan oder in ein paar Jahren auf den Arbeitsmarkt drängen? Die es gewohnt sind, auf den Smartphones Software zu installieren und zu handhaben – ohne Schulungen oder Handbücher. Die Software wechseln, sobald sie nicht die Funktionen hat, die benötigt werden.

Diese Jugend und die jungen Menschen (in den Zwanzigern) stehen für eine Transformation, sowohl in der Gesellschaft als auch im Berufsleben und Arbeitsalltag. Offenheit und Aufnahmebereitschaft für neue Ideen, Überdenken alter Vorstellungen, das sind die Zeichen der Zeit.

Wer kann dem etwas entgegensetzen? Bestimmt nicht die vielen Unternehmer, die glauben, dass die Digitale Transformation schon abgeschlossen ist, wenn man seine Daten nur noch in der Cloud speichert und stets die aktuellste Microsoft Office Version installiert.

Ein Umdenken muß also komplexer stattfinden, mit anderen Anforderungen und Arbeitsplatzbeschreibungen als dies momentan stattfindet. Mit einem Verlassen der alten, eingefahrenen Wege, hin zu einem modernen, offenen Arbeitsraum. Mitarbeiter mitnehmen und motivieren, nicht nur durch Geld und Incentives, das sind notwendige Maßnahmen.

Google macht es vor, sowohl was die Arbeitsumgebung betrifft als auch die Diversifikation in gänzlich neue Geschäftsfelder.

Nicht Alles ist möglich, aber darüber nachzudenken lohnt sich auf jeden Fall ! Gewinner sind stets die Unternehmen, die etwas unternehmen !